Farben kombinieren – so verbesserst du die Usability deiner Webseite

Wenn du Farben im Web so einsetzen möchtest, dass sie die Usability positiv beeinflussen, ist entscheidend wie du die Farben kombinierst und verwendest.

Deshalb muss ich gleich vorwegnehmen: Es gibt am Ende dieses Artikels keine Empfehlung für die beste Farbzusammenstellung schlechthin.

Welche Farben am besten zu deiner Webseite passen, hängt von den Voraussetzungen und Anforderungen ab.

Ich gebe dir hier aber eine ausführliche Anleitung, wie du zu den passenden Farben findest.

Welche Anforderungen stellst du an deine Seite?

Soll deine Webseite nur eine Visitenkarte im Web sein? Oder möchtest du über deine Webseite mehr anbieten und den User aktiv einbeziehen: Verkauf/Buchung von Produkten, Download von Freebies, Leadmagneten und Co., Registrierungen für Newsletter/Webinare, ein Blog…?

Wenn du mehr anbieten möchtest, brauchst du mehr Farben. Insbesondere die Akzent-Farbe oder auch Call-to-Action-Farbe*, denn darüber kannst du deine Besucher durch deine Webseite leiten.

*Call-to-Action (CTA) = Handlungsaufforderung. Mit Call-to-Action-Farbe meine ich eine Farbe für Buttons/Schaltflächen, Formulare, Links… Die Farbe kommt also immer zum Einsatz, wenn der User eine Handlung vornehmen kann.

Wie sehen deine Markenfarben aus?

Deine Markenfarben solltest du natürlich auch auf deiner Webseite nutzen. Welche Rolle du ihnen zuteilst, hängt davon ab, welche Wirkung du erzielen willst. Denn Farben haben eine unterschiedliche Symbolik. Dazu später mehr.

Wenn sich eine kräftige, leuchtende Farbe unter deinen Markenfarben befindet, könntest du sie als Akzent-Farbe bzw. Call-to-Action-Farbe* einsetzen.

Über diese Farbe signalisierst du dem User: Hier kannst du etwas tun. Deshalb ist wichtig, dass sich diese Farbe deutlich von den anderen abhebt.

Helle und softe Farben hingegen, solltest du nur dort einsetzen, wo der Untergrund ausreichend Kontrast bietet. Vermeide also beispielsweise eine orangefarbene Schrift auf weißem Grund. Eine Hintergrundfläche in einem hellen Orangeton mit dunkler Typo funktioniert hingegen.

Wieviele Farben brauchst du?

Jede Farbe, die du auswählst, sollte eine Aufgabe haben. Du brauchst keine Farben zum ausschmücken und dekorieren! Denn zu viele Farben führen am Ende zu Verwirrung und lassen deine Webseite unübersichtlich erscheinen.

Geh maximal von drei Grundfarben aus und verwende darüber hinaus nur Farbtöne. Also Abstufungen und Schattierungen der drei Grundfarben oder neutrale Farben.

Im Durschnitt ist die Definition folgender Farben sinnvoll:
 

  • Je eine primäre und sekundäre Farbe
  • Eine Akzent-Farbe oder auch CTA-Farbe* (für Button/Schaltflächen, Links, Registrier- oder Download-Möglichkeiten)
  • Neutrale Farben (Grautöne, Weiß und Schwarz, z. B. für den Body-Text oder Hintergrundflächen)
  • Semantische Farben oder auch Hinweis-Farben (sie informieren über Erfolg, Fehler und Warnungen. Aufgrund der gelernten Symbolik ist es meist sinnvoll, Rot für Fehler und Warnungen und Grün für Erfolg zu verwenden)

Gewichte diese Farben und halte dabei die Balance

Die richtige Balance ist bei der Farbkombination ausschlaggebend. Je mehr Farben im Spiel sind, desto schwerer wird es, diese Balance zu halten.

Die 60-30-10-Regel kann dir helfen, die richtige Balance zu finden.
Diese Regel stammt aus dem Interior Design und kann durchaus auch auf Webseiten angewendet werden. Du nutzt die Farben in folgender Aufteilung und schaffst dadurch ein harmonisches Gesamtbild:

  • 60 % primäre Farbe
  • 30 % sekundäre Farbe
  • 10 % Akzent-Farben (CTA-Farbe für Button/Schaltflächen, Links, Hinweise)

Die neutralen und semantischen Farben kannst du hier außer acht lassen, da sie für das Gesamtbild nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Mit dieser Aufteilung schaffst du eine visuelle Hierarchie und hilfst dem User so bei der Orientierung.

Achte bei der Rollenverteilung auf die Symbolik

Wenn du den einzelnen Farben eine Rolle zuteilst, achte darauf, welche Wirkung du damit erzielst.

Ein Beispiel: Wenn du Rot zur primären Farbe bestimmst, kann es aggressiv wirken. Ein viel an Rot erinnert oft an massiv beworbene Angebote oder Discounter-Werbung. Wenn du diese Symbolik nicht für deine Webseite nutzen willst, dann setze das Rot eher reduziert, also als sekundäre Farbe oder Akzent-Farbe ein.

Farben kombinieren: Beispiel Rot
Farben kombinieren: Beispiel Rot 2

Farben und ihre Symbolik

Diese Übersicht zeigt dir die Grundfarben samt ihrer Symbolik. Wie die Farbe auf deiner Webseite wirkt, hängt auch davon ab, wieviel Raum du der Farbe gibst.

Mit einem Klick kannst du diese Farbtafel auch downloaden:

Farben und ihre Symbolik

Diese Farben sind in folgenden Branchen populär:

Weiß: Charity, Fashion, Medien.
Gelb: Technik, Beratung & Coaching, Transport, Fastfood.
Orange: Gesundheit, Freizeit, Getränke, Spielwaren, Angebote für Senioren.
Rot: Technologien, Food, Auto & Verkehr, Entertainment, Sport.
Grün: Food, Gesundheit, Natur & Umwelt, Finanzen, Freizeit.
Blau: Pflege- & Hygienemittel, Versicherungen, Finanzen, Sport.
Lila: Medien, Technologien, Süßwaren, Wellness.
Schwarz: Fashion, Design, Forschung, Auto,Technologien.

Setze die Farben konsequent & kontinuierlich ein!

Wenn du einmal eine Rolle für eine Farbe festgelegt hast, behalte diese auf der gesamten Webseite bei. Der User lernt schnell, wie du die einzelnen Farben definiert hast und orientiert sich daran.

Wenn du also beispielsweise Blau als CTA-Farbe* definiert hast, dann nutze Blau konsequent und kontinuierlich für Button/Schaltflächen, Links und andere Handlungsaufforderungen.

Wie du die passenden Farben findest und zusammenstellst

Möglicherweise hast du nur eine Markenfarbe oder zwei und suchst noch ergänzend passende Farben? Dann helfen dir verschiedene Farbschemen eine harmonische Farbkombination zu erstellen:

Monochrom

Du suchst einfach nach Tönen und Schattierungen innerhalb eines Farbtons. Achte aber darauf, dass du eine Akzent-Farbe nutzt, die sich abhebt.

Farben kombinieren: Monochrom

Analog

Bei diesem Schema kombinierst du Farben, die im Farbkreis nebeneinander liegen.

Farben kombinieren: Analog

Komplementär

Hier wählst du zwei Farben, die im Farbkreis gegenüber liegen. Dieses Schema ist begrenzt auf zwei Farben. Diese kannst du aber mit Tönen und Schattierungen aus diesen zwei Farben ergänzen.

Farben kombinieren: Komplementär

Triadisch

Bei diesem Schema stellst du drei Farben zusammen, die im Farbkreis gleich weit voneinander entfernt liegen und dabei ein Dreieck bilden.

Farben kombinieren: Triadisch

Darüber hinaus gibt es auch noch Schemen, bei denen vier Farben definiert werden, die ein Quadrat oder ein Rechteck bilden.

Lass dich von der Natur inspirieren

Wenn dir die Suche innerhalb eines Farbkreises zu langweilig und müßig erscheint, lass dich doch einfach von der Natur inspirieren. Farben, die die Natur zusammengestellt hat, nehmen wir als besonders harmonisch wahr.

Such in Bilddatenbanken (wie Unsplash, Shutterstock und Adobe Stock) nach Tier- oder Naturfotos, mach einen Screenshot und pick dir die passenden Farben heraus.

Farben kombinieren: Natur
Photo by Melanie Hughes on Unsplash

Tools, die dir helfen, Farben zu kombinieren

Neben den oben genannten Möglichkeiten, kannst du dich auch von diversen Tools bei der Farbauswahl inspirieren lassen. Im Video weiter untern zeige ich dir, wie die beiden ersten Tools funktionieren:
 

Teste deine Farben

Wenn du sichergehen willst, dass du Farben zusammengestellt hast, die deine Konversionsrate positiv beeinflussen, dann teste sie über einen längeren Zeitraum. Probiere dann eine andere Farbkombination und schau dir genau an, welche Farbzusammenstellung die besseren Ergebnisse bringt.

Lerne also von deiner Zielgruppe. Teste, was ihr gefällt und worauf sie reagiert. Denn meistens können wir nicht einschätzen, wie sich die User verhalten und was sie favorisieren.

Die richtige Farbkombination ist die, die deine Besucher für richtig halten.

Berücksichtige auch, dass manche Menschen farbenblind sind

Etwa 9 % der Männer und circa 0,5 % der Frauen haben eine Farbsehschwäche. Am häufigsten verbreitet ist die Rot-Grün-Schwäche.

Mit diesem Tool, kannst du deine Webseite checken und dir ansehen, wie sie mit der jeweiligen Schwäche wahr genommen wird: toptal.com

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Eingangs habe ich erwähnt, dass Hinweisfarben Meldungen, wie ‘Erfolg’ oder ‘Fehler’ oft in Rot und Grün darstellen. Diese Zuordnung haben wir symbolisch tief verankert und deswegen ist sie durchaus sinnvoll.

Dass heißt aber unter dem Aspekt der Farbblindheit, dass du ‘Erfolg’ und ‘Fehler’ nicht nur über die Farben anzeigen solltest. Finde auch eine Lösung für Menschen mit dieser Sehschwäche.

Ein Beispiel aus der Praxis: Denk an ein Formular und die Fehlermeldung „Rot markierte Felder sind Pflichtfelder“. Wenn die Felder tatsächlich nur rot markiert sind, wird dieses Erlebnis für jemanden mit Sehschwäche frustrierend.

Die Lösung könnte so aussehen: „Fett markierte Felder sind Pflichtfelder”. Die besagten Felder erscheinen dann mit einem fetten Rahmen, der dann auch rot sein darf.

Fazit

Stell eine harmonische Farbkombination aus

  • je einer primären und sekundären Farbe,
  • Akzent-Farben,
  • neutralen Farben und
  • semantischen Farben

zusammen.

Überleg dir gut, welche Rolle dabei deine Markenfarben spielen und achte auf die Balance und die Symbolik.

Eine kräftige, auffällige Farbe, die sich gut von den anderen unterscheidet, solltest du als Akzent-Farbe (Call-to-Action-Farbe) definieren.

Happy working!
Goldmarie a.k.a. Su

P.S. Wenn dir noch Infos zu dem Thema fehlen, lass es mich wissen. Hinterlass einen Kommentar oder schreib mir.

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